Apr
23
Wurfsack im Selbstbau
08:35 | joeggisch | Cachehelferlein
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die fertigen WurfsäckeJa, ja, ich weiß!
Ein Wurfsack kostet nicht die Welt. Daher lohnt es sich nicht, einen selber zu machen.“

Aber: Erstens sind mehr als 10 Euro auch Geld, zweitens erst recht, wenn man das benötigte Zeugs dafür sowieso zu Hause rumliegen hat und es nicht nutzt und drittens ist es sowas von cool, wenn man anderen Cachern beim Seileinbau zuguckt und sagen kann: „Aha, der Edelrid-Wurfsack mit 250g! Ich mache meine Wurfsäcke ja selber!“
Na ja, und dann macht basteln ja auch Spaß!
Hier ist EINE Anleitung dazu! Natürlich geht’s auch anders!

Was benutzt denn der Jöggisch zum Basteln seines Wurfsacks?

Material:

  • strapazierfähigen (vorzugsweise „signalfarbigen“) Stoff
  • eine stabile Aufnahme/Lasche/Schlaufe für die Wurfleihne/Pilotschnur
  • Kies (bei mir ist es Aquarienkies)
  • Karton
  • Nähgarn

Werkzeug:

  • Schere
  • Stift
  • Nähmaschine
  • Kochlöffel

… und was macht man damit?

Schema der WurfsackschabloneZunächst schneidet man aus dem Karton eine Schablone für die auszuschneidenden Stoffteile aus.
Wer auf Ästetik steht, konstruiert seine Schablone am PC (bspw. mit Inkscape; das Prog nutze ich für extrem viele Gelegenheiten, bspw. für die nebenstehende Zeichnung oder die Motive in meinem Shirtshop – so, genug Werbung) und druckt sie auf Karton aus. Da es hier „nur“ um einen Wurfsack geht, kann man sich auch einfach einen (Unter-)Teller oder irgend was anderes Rundes nehmen und die Schablone damit erstellen.

Das nebenstehende Bild zeigt, wie die Schablone ungefähr aussehen sollte.

Die Höhe der Schablone entspricht dabei dem halben Umfang des Sacks über die Pole und die Breite der Schablone entspricht einem Viertel des Umfangs des Sacks am Äquator.
Hier muss jeder selber entscheiden, was er will.
Zum Schleudern mit der Pilotschnur ist ein eher länglicher Sack hilfreich und zum Werfen (was mir eher liegt) bevorzuge ich eine runde Form.
Für meine kleinen „Wurfbälle“ nehme ich eine Schablone mit einer Höhe von 10 cm und einer Breite von 5 cm.
Die „Rüssellaschen“ sollten einen Tück breiter sein, als die halbe Breite der Aufnahme/Lasche/Schlaufe für die Pilotschnur.
Wie oben schon angedeutet: Es handelt sich bei diesen Angaben um ungefähre Angaben. Man muss hier nicht auf den Millimeter genau arbeiten. Wenn der verwendete Teller nicht ganz die richtige Krümmung hat, spielt das auch keine große Geige. (Ich weiß, dass es eigentlich „der verwandte Teller“ heißt. Trotzdem: Dies ist MEIN Blog und daher nutze ich die falsche, aber gebräuchlichere grammatikalische Form!)

die zugeschnittenen StoffteileMit Hilfe dieser Schablone wird der Umriss vier mal auf den Stoff übertragen. Dabei sollte man daran denken, dass beim Ausschneiden nicht nur die Form selber sondern drumherum auch noch ein wenig Rand für die Nähnaht ausgeschnitten werden muss. Die Stücke sollten also nicht zu dicht aufgezeichnet werden.
Nun werden die vier Teile ausgeschnitten.
UNBEDINGT EINEN NAHTRAND LASSEN!!!

je zwei Teile wurden zusammengenähtDanach werden die Teile nach einander zusammen genäht.
Dabei ist darauf zu achten, dass …

  1. die Außenseiten der Teile beim Nähen immer aufeinander liegen und
  2. der Rüssel oben offen bleibt!

die Grundform des Wurfsacks ist fertigSo wie auf dem nebenstehenden Bild sieht die Naht übrigens aus, wenn man die Fadenspannung der Nähmaschine nicht auf den genutzten Stoff abstimmt.
Da die Naht beim fertigen Produkt aber nicht zu sehen sein wird, sie auch so hält und ich keine Lust hatte, das Ganze nochmal aufzutrennen, habe ich es dieses Mal so gelassen.

mit Hilfe des Kochlöffels umstülpenWenn das soweit erledigt ist, nimmt man den Kochlöffel und drückt das Innenleben des Sacks durch den Rüssel, so dass die Außenseite des Stoffs nun auch tatsächlich außen landet.
Der schwierigst Teil ist damit erledigt!

Befüllen des WurfsacksNun füllt man den Kies durch den Rüssel in den Sack.
Man kann natürlich auch Stahlkugeln (bspw. aus Kugellagern), Muttern oder Bleigewichte (Achtung, giftig!) nehmen. Für noch mehr Gewicht kann man nach dem Einfüllen der Metallteile die entstandenen Zwischenräume auch mit feinem Sand auffüllen.

Zunähen des RüsselsAnschließend wir der Rüssel oben zugenäht und mit dem Kochlöffel wieder ein Stück nach innen gestülpt.
Man sollte den Sack also nicht zu voll machen!

die Lasche für die Pilotschnur muss noch befestigt werdenIn die entstandene Höhle stecke ich die Lasche an der ich später die Pilotschnur befestigen will. Ich nehme dafür ein Stück Korduraband (von einem alten Bauchbeutel, bei dem der Beutel so stark eingerissen ist, dass ich ihn sowieso nicht mehr verwenden kann; nicht mal als Materialspender für Wurfsäcke!) und eine Metallöse, die ich aus einem alten Drahtbügel gebogen habe. Anschließend nähe ich das Ganze noch zusammen.

Fertig ist mein neuer preiswerter und vor allem SELBSTGEMACHTER Wurfsack.
Sollte der kaputt gehen, habe ich wieder einen Moment Spaß beim Neubasteln und muss mich nicht ärgern, dass ich jetzt wieder zum Kletterausrüster meines Vertrauens fahren muss, um einen neuen Wurfsack zu kaufen … und dann noch wieder viel mehr kaufe. 🙁

 

 

Absolut strapazierfähig und sogar halbwegs waldbrandsicher ist die Variante aus Feuerwehrschlauch!

Glücklicherweise hatte ich davon auch noch ein paar Meter zu Hause.
Diese Variante ist zwar farblich nicht optimal, passt dafür aber optisch hervorragend zu meinen Seilschonern. 😉

Allerdings ist das Zeug so starr, dass man

  1. mit der Nähmaschine nicht sehr weit kommt und hier auch mit der Hand nähen muss,
  2. den Rüssel etwas breiter dimensionieren sollte, um den Sack von innen nach außen zu stülpen und
  3. die Pilotleinenaufnahme direkt in den Rüssel stecken sollte, ohne diesen vorher nach innen zu stülpen, um eine Höhle zu formen.

(Wenn Ihr es versucht, wertet Ihr sehen, was ich meine!)
Außerdem würde ich hier festeres Garn bzw. Zwirn zum Nähen verwenden. Man muss schon ganz schön mit dem Kochlöffel nachdrücken, damit der Sack sich von innen nach außen stülpt. Eine „normale“ Naht reißt da schon mal fix. … ich hab’s ausprobiert! 🙁

 

Wer Hinweise oder Verbesserungsvorschläge hat, kann sie hier gerne als Kommentar anfügen oder mir einfach eine Mail senden!